In den Medien

Emmi schaltet den Preisüberwacher ein

Der grösste Milchverarbeiter kritisiert die Netztarife seines Gaslieferanten EWB. Damit steigt der Druck auf die Branche, die Preise zu senken.

Jürg Meier, NZZ am Sonntag

Emmi ist der grösste milchverarbeitende Betrieb der Schweiz. Für die Herstellung seiner Produkte braucht er viel Energie. In Ostermundigen (BE) kommt das nötige Erdgas von der EWB, dem Energieversorger der Stadt Bern. Seit langem beklagt sich Emmi, die EWB verlange überhöhte Preise für die Nutzung des Gasnetzes. Nun ist das Unternehmen in dieser Sache an den Preisüberwacher gelangt.

Simon Pfister von der Preisüberwachung bestätigt den Eingang des Schreibens, will sich aber nicht näher zum Fall äussern. Emmi und die Gaslieferantin EWB nehmen ebenfalls nicht detailliert Stellung.

Hohe Tarife in der Schweiz

Emmi kritisiert in seiner Eingabe an den Preisüberwacher, dass die Kosten für das Gasnetz der EWB deutlich höher seien als im Schweizer Durchschnitt. Und das bereitet dem Unternehmen Kopfzerbrechen: Emmi erwirtschaftet 50% seines Umsatzes im Ausland. «Wir stehen in einem harten Preiswettbewerb und sind darauf angewiesen, die Energie marktgerecht einzukaufen», heisst es im Brief.

René Baggenstos vom Energieberatungsunternehmen Enerprice verfolgt die Entwicklung der Gaspreise seit Jahren. «EWB verrechnet innerhalb der Schweiz sehr hohe Tarife für sein Gasnetz», sagt er. Doch laut Baggenstos ist die Nutzung der Gasnetze in der ganzen Schweiz zu teuer.

Das zeigten nicht nur Berechnungen von Enerprice: Kürzlich verglich auch eine Studie des Bundes internationale Netzkosten für Grossverbraucher. Ihr Fazit: «Die hiesigen Preise liegen selbst dann über jenen in Süddeutschland, wenn man das höhere Preisniveau in der Schweiz berücksichtigt», sagt Baggenstos. Und er fügt an, die Studie habe mit einem Euro-Franken-Kurs von 1,80 gerechnet.

Laut Thomas Hegglin, Sprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie, haben die höheren Gasnetzpreise in der Schweiz ihre Gründe: «Nur schon das Lohnniveau ist höher als in Deutschland.» Dazu kämen weitere Faktoren, etwa die Topografie des Landes, die politische Regulierung des Gasmarktes, höhere Abgaben und die unterschiedliche Dichte des Netzes.

«Systematisches Problem» im Gasmarkt

Laut Hegglin gibt es auch in Deutschland grosse Unterschiede bei den Netznutzungsentgelten für Industriekunden. «Es ist also nicht so, dass in der Schweiz die Netznutzungsentgelte generell hoch und in Deutschland generell tief sind.»

Simon Pfister von der Preisüberwachung bestätigt: Die Kosten und Tarife der Gasnetzbetreiber würden auch von Faktoren beeinflusst, die nicht in der alleinigen Verantwortung der Gasnetzbetreiber lägen.

Dennoch ortet Pfister im Gasmarkt «ein systematisches Problem, das zu hohen Durchleitungspreisen führen kann». Die Gasbranche orientiere sich bei der Berechnung der Durchleitungspreise an den Kalkulationsvorgaben für Stromnetze. Diese Berechnungsart könne «zu überhöhten Renditen bei Netzentgelten führen». Der Preisüberwacher habe schon mehrfach im Gasmarkt eingegriffen und Versorger zu Preissenkungen bewegt.

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